Gold und sonst nichts

Leider habe ich keine guten Nachrichten. Als Kassandra sage ich seit vielen Jahren dem Finanzsystem stürmische Zeiten voraus. Kassandra ist in der griechischen Mythologie die Tochter des trojanischen Königs Priamos. Der Gott Apollon gab ihr die Gabe der Weissagung. Als sie jedoch seine Verführungsversuche zurückwies, verfluchte er sie und ihre Nachkommenschaft, auf dass niemand ihren Weissagungen Glauben schenken werde. Daher gilt sie als tragische Heldin, die immer das Unheil voraussah, aber niemals Gehör fand. Kassandras werden nie gemocht, weder vor dem Ereignis, das sie vorhersagen, noch danach. Ich hoffe, meine Vorhersagen mögen falsch sein. Doch eines ist klar: Die in unserem Finanzsystem seit Jahrzehnten angehäuften Risiken sind gigantisch. Das Auftreten eines Schwarzen Schwans, der diese Risiken aufdeckt und bereinigt, ist nur noch eine Frage der Zeit.
Diejenigen unter ihnen, die mein Buch „Geld(R)evolution“ gelesen oder eines meiner Seminare besucht haben, wissen, dass Vermögen immer immaterieller (Wissen, Talente, Fähigkeiten) und materieller Natur (Sachwerte) ist. Alles Materielle können wir verlieren, egal wie gut wir es schützen. Doch keine Angst. Das Überleben hängt nicht davon ab, wieviel materielle Güter wir unser eigen nennen, sondern wie wir unsere Fähigkeiten und Talente einsetzen, um Probleme zu lösen. Daher ist der immaterielle Teil des Vermögens immer vor Enteignung, Inflation und Deflation sicher. Also eine hervorragende Investition. Denken sie immer dran, dass unvorhergesehene Ereignisse aus dem Nichts geschehen. Folglich müssen wir uns auf das Unvorhergesehene vorbereiten. Materiell und immateriell.
Goldanleger haben eine andere Sicht auf die Welt. Sie glauben nicht, dass in unserem Finanzsystem, dass auf Geldschöpfung und Schulden gründet, nachhaltiges und dauerhaftes Vermögen geschaffen werden kann. Bislang hat sich der Sozialismus um Menschen gekümmert, der nicht über die Runden kam. Die Illusion am Sozialismus ist, dass er das perfekte politische System ist, um ewigen Wohlstand zu erzeugen und Wählerstimmen zu kaufen. Das sozialistische Experiment der letzten 70 Jahre, dass bereits auch die westliche Hemisphäre in seinen Bann gezogen hat, wird nur solange funktionieren, bis das Geld anderer Menschen aufgebraucht ist. Machen sie sich diese Erkenntnis bewusst und treffen sie entsprechende Vorkehrungen. Der Wohlfahrtsstaat ist eine Chimäre.
Es ist die Beständigkeit, die Gold zum bedeutendsten Vermögenswert macht. Gold ist das einzige Geld, dass 5.000 Jahre lang überlebt hat. Staaten, Finanzsysteme und Währungen kamen und gingen. Gold aber überlebt sie alle. Gold umgibt kein Zauber. Es ist einfach nur echtes Geld. Warum also gegen die 5.000-jährige Geschichte von Gold setzen, wenn es doch das einzige Geld ist, das bislang überlebt hat? Gold ist keine Investition, es ist ein Wertspeicher und Tauschmittel.
Nur wenige Anleger erkennen, dass die Kapitalmärkte im Jahr 1999 ihren Höhepunkt erreicht haben. Da für eine effektive Messung kein unbeständiges Geld (z.B. Euro, Dollar, Yen) herangezogen werden kann, kommt nur echtes Geld als Maßstab in Frage. Und das ist natürlich Gold. Ein Blick auf das Dow-Gold-Verhältnis zeigt, dass das Verhältnis 1999 bei 44 Punkten seinen Höhepunkt markiert hat. 2011 erreichte es ein Zwischentief bei 6, als Gold sein Hoch bei 1.920 $ markierte.
Jetzt ist also die Zeit gekommen, sich den sicheren Häfen zuzuwenden, da die größte Vermögenszerstörung der Geschichte bereits begonnen hat. Doch der größte Teil der Anlegerwelt ist nicht wachsam, sondern wiegt sich in großer Sicherheit. Die anstehende Implosion von Aktien, Anleihen, Immobilien und buchstäblich allen anderen Anlagemärkten ist nur ein Aspekt des kommenden Super-GAU der Weltwirtschaft. Die Aktienmärkte werden mit großer Sicherheit um 90% fallen und viele Schuldner werden zahlungsunfähig. Wie komme ich auf diese Zahl. Die Geldmenge in unserem heutigen Finanzsystem ist ca. 9 mal größer als die Waren und Dienstleistungen, die wir weltweit erzeugen. Eine Krise hat die Aufgabe, diese Fehlentwicklung zu bereinigen. Die Natur mag keine Dinge, die zu groß werden. Sie wird Größe immer begrenzen. Oder haben sie schon einmal Bäume gesehen, die in den Himmel wachsen. Die Geschichte hat diesen Zusammenhang immer wieder gezeigt. Große Weltreiche sind nie von Dauer, sondern tragen den Keim der Zerstörung in sich. 
Der größte Teil der Forderungspapiere wie Lebensversicherungen, Sparbücher, Bausparkonten, Zertifikate oder Investmentfonds werden ihre einmal gemachten Zusagen nicht einhalten können.
Mir ist bewusst, dass meine gemachten Aussagen ihren bisherigen Glauben an Kapitalmärkte, Politik, Geld und Finanzen möglicherweise zerstören. Dennoch möchte ich meinen Ruf als Kassandra gerecht werden und immer wieder vor allzu großem Gottvertrauen in unser heutiges Finanzsystem warnen. Der nächste Schwarze Schwan wird uns mit großer Sicherheit aus dieser Illusion befreien.